Auf dieser SeiteDas Wichtigste in Kürze
Kurz erklärt
Als hauptberuflich Selbstständige:r kannst du grundsätzlich zwischen freiwilliger gesetzlicher Krankenversicherung und PKV wählen, wenn du die jeweiligen Voraussetzungen erfüllst. Ob du in der GKV bleiben oder ihr beitreten kannst, hängt besonders von deiner bisherigen Versicherung und deinem Status ab; ein Wechsel in die PKV ist meist leichter als eine spätere Rückkehr in die GKV. Prüfe deshalb auch Krankengeld, Familienversicherung, Pflegeversicherung und deine langfristige Situation.
Das Wichtigste in Kürze
- Wenn deine Pflichtversicherung in der GKV durch den Wechsel in eine hauptberufliche Selbstständigkeit endet, kannst du häufig freiwillig gesetzlich versichert bleiben. Lass deine konkrete Mitgliedschaft von deiner Krankenkasse bestätigen.
- Ein Wechsel in die PKV kann grundsätzlich möglich sein. Für die Aufnahme ist meist eine Gesundheitsprüfung erforderlich; die Versicherung kann einen Antrag ablehnen oder Bedingungen anbieten.
- Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit kann die bisherige Versicherung weiter maßgeblich sein. Entscheidend ist, wie die Krankenkasse deine Erwerbssituation einstuft.
- In der GKV richten sich Beiträge grundsätzlich nach den beitragspflichtigen Einnahmen und gelten auch für die Pflegeversicherung. In der PKV hängen sie unter anderem vom gewählten Schutz und persönlichen Merkmalen ab.
- Der Weg zurück von der PKV in die GKV ist oft schwierig und kann unter bestimmten Voraussetzungen ausgeschlossen sein. Beziehe diese Möglichkeit in deine Entscheidung ein.
Erklärung / Hintergrund
Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit ändert sich nicht automatisch deine Krankenversicherung. Wichtig ist zunächst, ob du bisher gesetzlich pflichtversichert, freiwillig gesetzlich versichert oder privat versichert bist. Auch die Frage, ob die Selbstständigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird, kann entscheidend sein.
Endet eine Pflichtmitgliedschaft in der GKV, kann sie häufig als freiwillige Mitgliedschaft fortgeführt werden. Die Krankenkasse informiert über die konkrete Fortsetzung und die dafür geltenden Voraussetzungen. Wer zuvor privat versichert war, kann nicht allein durch die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit frei in die GKV wechseln. Zugangsmöglichkeiten hängen von der persönlichen Versicherungsbiografie und dem aktuellen Status ab.
Hauptberuflich Selbstständige sind grundsätzlich nicht allein wegen ihrer Selbstständigkeit in der GKV pflichtversichert. Sie können – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – freiwillig gesetzlich versichert sein oder eine private Krankenversicherung beantragen. Für bestimmte Gruppen gelten eigene Regelungen: Dazu zählen zum Beispiel Personen, die über die Künstlersozialversicherung abgesichert sind, sowie Landwirtinnen und Landwirte mit eigener Sozialversicherung. Kläre in solchen Fällen zuerst, welche Versicherung für dich zuständig ist.
Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit kann eine bestehende Pflichtversicherung aus einer Beschäftigung fortbestehen. Die Krankenkasse beurteilt, welche Tätigkeit den Schwerpunkt bildet. Dabei können zum Beispiel Zeitaufwand, wirtschaftliche Bedeutung und weitere Beschäftigte eine Rolle spielen. Die Einordnung solltest du nicht selbst voraussetzen, sondern mit der Krankenkasse klären.
So läuft es in der Praxis
1. Bisherigen Versicherungsstatus feststellen
Prüfe, ob du aktuell pflichtversichert oder freiwillig gesetzlich versichert bist, familienversichert bist oder einen PKV-Vertrag hast. Bitte deine Krankenkasse um eine Einschätzung dazu, was mit deiner Mitgliedschaft geschieht, wenn du deine Beschäftigung beendest oder reduzierst.
2. Haupt- oder Nebenberuflichkeit klären
Beschreibe der Krankenkasse deine geplante Selbstständigkeit möglichst konkret: Arbeitszeit, erwartete Einnahmen, weitere Beschäftigungen und gegebenenfalls Mitarbeitende. Die Einstufung kann sich ändern, wenn sich deine Situation später deutlich wandelt.
3. GKV und PKV nach denselben Annahmen vergleichen
Vergleiche nicht nur den Beitrag zu Beginn. Berücksichtige auch Pflegeversicherung, Selbstbehalt, Leistungsumfang, Krankentagegeld, mögliche Beitragsveränderungen und die Absicherung von Angehörigen. Ein Kostenvergleich ist nur aussagekräftig, wenn die verglichenen Leistungen und Annahmen nachvollziehbar sind.
4. Absicherung bei Krankheit mitplanen
Als Selbstständige:r erhältst du nicht automatisch eine Lohnfortzahlung durch einen Arbeitgeber. Überlege deshalb, ab wann und in welcher Höhe Geld bei längerer Krankheit verfügbar sein soll. In der GKV hängt ein Anspruch auf Krankengeld von der gewählten Absicherung ab. In der PKV kann ein Krankentagegeld eine mögliche Einkommenslücke absichern; Bedingungen und Wartezeiten sind vertraglich geregelt.
5. Antrag und Gesundheitsangaben sorgfältig behandeln
Wenn du eine PKV beantragst, musst du die Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß beantworten. Unvollständige oder falsche Angaben können den Versicherungsschutz gefährden. Kläre unübersichtliche Gesundheitsangaben vor dem Antrag anhand deiner Unterlagen und behalte Kopien der Angaben.
Beispiel
Eine angestellte Person beendet ihre Beschäftigung und macht sich hauptberuflich selbstständig. Sie war bisher gesetzlich versichert. Die bisherige Pflichtversicherung endet möglicherweise; eine freiwillige Fortsetzung kann infrage kommen. Gleichzeitig kann ein Antrag auf PKV geprüft werden. Welche Lösung tatsächlich möglich ist und wie die Beiträge berechnet werden, hängt von den persönlichen Umständen und den konkreten Versicherungsbedingungen ab. Das Beispiel ist hypothetisch und keine individuelle Empfehlung.
Typische Fehler und Ausnahmen
- Annehmen, dass Selbstständige immer frei wählen können: Die bisherige Versicherung und besondere gesetzliche Regelungen können den Zugang zur GKV beeinflussen.
- Nebenberuflichkeit nicht klären: Eine selbstständige Tätigkeit neben einer Beschäftigung führt nicht automatisch zum Wechsel des Versicherungsstatus. Die Krankenkasse nimmt eine Gesamtbetrachtung vor.
- Nur den anfänglichen Beitrag vergleichen: Beiträge und Leistungen können sich unterschiedlich entwickeln. Auch Selbstbehalt, Krankentagegeld und der Schutz von Familienangehörigen gehören in den Vergleich.
- Krankengeld übersehen: Wer bei Krankheit kein ausreichendes Einkommen hat, kann trotz niedriger laufender Ausgaben in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Prüfe deshalb Beginn, Höhe und Voraussetzungen der Absicherung.
- Familienversicherung voraussetzen: Ob Angehörige beitragsfrei familienversichert sein können, hängt unter anderem von den gesetzlichen Voraussetzungen und der Einkommenssituation ab. Eine hauptberufliche Selbstständigkeit kann die Familienversicherung ausschließen.
- Gesundheitsfragen unvollständig beantworten: Im PKV-Antrag müssen die abgefragten Angaben wahrheitsgemäß und vollständig sein. Unklarheiten solltest du vor dem Absenden klären.
- Eine spätere Rückkehr als sicher einplanen: Ein Wechsel in die PKV kann langfristige Folgen haben. Eine Rückkehr in die GKV ist nicht jederzeit möglich; für Personen ab 55 Jahren gelten besonders enge gesetzliche Voraussetzungen.
Das solltest du prüfen
- Welchen Versicherungsstatus hast du aktuell und was passiert beim Ende deiner Beschäftigung?
- Wird deine Selbstständigkeit voraussichtlich als haupt- oder nebenberuflich eingestuft?
- Kannst du deine bisherige GKV-Mitgliedschaft freiwillig fortsetzen oder bestehen andere Zugangsvoraussetzungen?
- Welche Einnahmen werden für die Beitragsberechnung in der GKV berücksichtigt und wie wird die Pflegeversicherung einbezogen?
- Welche Leistungen sind in einem PKV-Angebot enthalten, welche Selbstbeteiligung gilt und wie ist Krankentagegeld geregelt?
- Wie werden Partner:in und Kinder versichert? Ist eine Familienversicherung möglich oder braucht jedes Familienmitglied eigenen Schutz?
- Welche Rücklagen hast du für Phasen mit schwankenden Einnahmen oder längerer Krankheit?
- Sind alle Gesundheitsangaben im PKV-Antrag vollständig und wahrheitsgemäß?
- Was würde ein späterer Wechsel zurück in die GKV für dich bedeuten?
Was du vor einer Entscheidung bedenken solltest
Die Entscheidung betrifft nicht nur den Beitrag im ersten Jahr. In der GKV hängt die Beitragsberechnung bei freiwillig Versicherten grundsätzlich von den beitragspflichtigen Einnahmen ab; dabei gelten gesetzliche Mindest- und Höchstgrenzen. Die konkreten Rechengrößen werden regelmäßig angepasst. Als Selbstständige:r trägst du die Beiträge grundsätzlich selbst und erhältst keinen Arbeitgeberzuschuss wie Beschäftigte.
In der PKV wird der Beitrag nicht einfach als Anteil des aktuellen Gewinns berechnet. Relevant sind unter anderem der vereinbarte Leistungsumfang, der Selbstbehalt und persönliche Faktoren bei Vertragsabschluss. Für Familienmitglieder ist grundsätzlich eine eigene Absicherung nötig; eine beitragsfreie Mitversicherung wie in der GKV gibt es nicht in gleicher Form. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Vertrag.
Bedenke außerdem, dass die Rückkehr aus der PKV in die GKV an gesetzliche Voraussetzungen gebunden ist und insbesondere im höheren Alter schwierig oder ausgeschlossen sein kann. Plane einen Wechsel daher nicht mit der Annahme, später ohne Weiteres zurückkehren zu können. Bei einer konkreten Entscheidung zu deinem Versicherungsstatus können deine Krankenkasse und bei individuellen Vertrags- oder Rechtsfragen qualifizierte Fachleute weiterhelfen.
Häufige Fragen
Kann ich als Selbstständige:r in der GKV bleiben?
Häufig ist eine freiwillige Fortsetzung möglich, wenn du zuvor gesetzlich versichert warst und die Voraussetzungen erfüllst. Lass dir von deiner Krankenkasse bestätigen, wie deine Mitgliedschaft nach dem Ende der Pflichtversicherung weiterläuft.
Muss ich als Selbstständige:r in die PKV wechseln?
Nein. Eine hauptberufliche Selbstständigkeit bedeutet nicht automatisch, dass du privat versichert sein musst. Ob du freiwillig in der GKV bleiben kannst, hängt unter anderem von deinem bisherigen Versicherungsstatus ab.
Kann ich nach einem Wechsel in die PKV später zurück in die GKV?
Eine Rückkehr ist nur unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen möglich. Sie sollte nicht als sicher eingeplant werden; ab einem höheren Alter gelten besonders strenge Einschränkungen.
Was ist bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit wichtig?
Die Krankenkasse beurteilt, ob deine Beschäftigung oder die Selbstständigkeit den Schwerpunkt bildet. Teile ihr die tatsächlichen Verhältnisse mit und kläre, ob deine bisherige Versicherung bestehen bleibt.
Was passiert mit meiner Familie?
In der GKV kann eine beitragsfreie Familienversicherung unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. In der PKV benötigt jedes Familienmitglied grundsätzlich einen eigenen Versicherungsschutz. Prüfe die Situation für alle Angehörigen gesondert.
Über diesen Beitrag
- Erstellt von
- Redaktion
- Veröffentlicht
- 9. Oktober 2026
- Fachliche Prüfung
- Ronny Knorr, Versicherungsmakler und ISO-zertifizierter Sachverständiger, 11. Oktober 2026
- Quellenbasis
- Sozialgesetzbuch V (SGB V)
- Sozialgesetzbuch XI (SGB XI)
- Versicherungsvertragsgesetz (VVG)
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
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